Agilität skaliert nicht am Budget vorbei.

Agilität skaliert nicht am Budget vorbei. Wer acht Stellen freigibt, braucht eine Leistungsspezifikation. Und genau die widerspricht dem, was „agil“ verspricht.

Ich habe den Widerspruch einmal praktisch aufgelöst, in einem großen Programm. Erst nachdem ein aus Angst und politischer Absicherung mikromanagender Sponsor das Feld geräumt hatte, konnten wir in ein Mischdesign gehen. Der grobe Plan stand: wann Design, wann Bau, wann Test. Aber Design und Bau liefen in teil-agilen Zyklen. Feature für Feature, Modul für Modul wurde eingeschätzt, diskutiert, abgestimmt, gebaut, geprüft, nachgeschärft. Das kostet auf allen Seiten mehr Ressourcen, im Projektteam, in den Fachbereichen, extern. Es lässt sich aber gut auf die kritischen Bereiche fokussieren und zahlt sich in der Abnahme aus: keine Überraschungen.

Wo „wir machen das agil“ bricht

Wer bei achtstelligen Summen ein großes agiles Framework aufsetzt, schneidet den Monolithen am Ende doch wieder in kleine, nicht-agile Stücke. Es wird budgetiert, geplant, abgestimmt und freigegeben, und erst darunter, auf der kleinsten Ebene, wird agil entwickelt. Anders geht es auch kaum, denn der Kerngedanke des agilen Manifests zielt auf genau diese Ausführungsebene. Der Grundsatz „wir binden den Kunden von Anfang an ein und steuern notfalls komplett um“ ist wichtig und richtig. Er verhindert aber, was ein Konzern für den sinnvollen Einsatz seiner Mittel braucht: Planbarkeit.

Was ich einem Vorstand rate

Zuerst lasse ich die Luft aus dem Buzzword. „Agil“ klingt schön, ist aber kein Selbstzweck. Dann erkläre ich, dass agile Lieferung in einem Konzern-Großprojekt ohne stabilen Steuerungsrahmen schnell an Budget-, Abhängigkeits- und Entscheidungsgrenzen scheitert. Es ist also immer ein Und, nie ein Oder. Kontrolle über die Summe und agile Umsetzung schließen sich nicht aus, solange man weiß, auf welcher Ebene das eine gilt und auf welcher das andere.

Wenn ein Vorstand die Summe kontrollieren und trotzdem agil arbeiten will, ist die ehrliche Antwort kein Entweder-oder: Der grobe Rahmen wird geplant und freigegeben, agil wird erst darunter, Feature für Feature. Wer das umdreht, tauscht Planbarkeit gegen ein Buzzword.