Das ERP-Wartungsende ist keine IT-Frist

Ein Wartungsende klingt nach einer Frist, die die IT zu verwalten hat. Ein Datum im Kalender, bis zu dem etwas erledigt sein muss. Genau diese Lesart führt in die Irre.

SAP hat, aus nachvollziehbaren Gründen, kein Interesse daran, zwei Produktlinien auf ewig zu pflegen. Also musste ein Wartungsende her; inzwischen ist es auf 2027 verschoben, was etwas Luft gibt, den Druck aber nicht auflöst. Der eigentliche Punkt liegt woanders: Mit dem Umstieg werden nicht nur Datenbanken getauscht; es werden alte Zöpfe abgeschnitten — Redundanzen in der Anwendungsstruktur, eine neue Oberfläche. Das ist kein normaler Release-Wechsel. Prozesse müssen neu gedacht werden, nicht nur Funktionen wiedergefunden. Ein Mammutprojekt, oft mit höherem Widerstand, weil von Anfang an mit der Frist gewedelt wurde.

Früh oder spät ist eine Charakterfrage des Hauses

Ob man früh umsteigt oder spät, ist am Ende eine Frage des Organisations-Appetits. Ein Haus, das dynamisch aufgestellt ist, Transitionen gewohnt, mit einer IT und einer Mannschaft, die den Wandel begrüßen, hat meist aufgeräumte Systeme und saubere Prozesse. Es kann früh dabei sein. Der Preis ist eine Art Entwicklungssteuer: Man ist häufig Entwicklungspartner, das kostet Zeit und manchmal Stabilität. Ein strukturell konservatives Haus dagegen, das Dinge laufen lässt, bis sie wirklich drücken, und IT-Governance eher stiefmütterlich behandelt, hat selten die saubersten Daten. Für das lohnt der spätere Umzug, wenn Werkzeuge und Umstiegs-Roadmaps gereift sind. Nur wächst mit jedem Jahr Wartezeit der Run auf die knappen Ressourcen — wer zu spät kommt, muss sehr genau auswählen, um nicht den überteuerten Bodensatz zu erwischen.

Warum das auf den Vorstandstisch gehört

Die IT kann die Frage immer nur durch die technische Brille beantworten: Wo macht das Altsystem Probleme, was ist an den neuen Funktionen reizvoll, wie lange läuft die Wartung noch. Eine ERP-Transition ist aber eine gesamtorganisatorische Entscheidung mit konkretem Einfluss auf jeden Bereich, in Aufbau und Betrieb. Deshalb gehört sie ehrlich auf Board-Ebene bewertet, im Zweifel durch den Gesamtvorstand. Das sichert Aufmerksamkeit, Priorität und den Rückhalt, ohne den ein Wandel dieser Größe nicht trägt.

Woran ein Vorstand das Timing festmachen kann, statt der Frist hinterherzulaufen? Bitten Sie den CIO, aus Produktivsystemen eine Sandbox aufzubauen und dort Assessments zu fahren: Wie steht es wirklich um Code und Daten? Aus dem Ergebnis lässt sich ein grober Fahrplan ableiten — wenig Altlast spricht für früh, viel Altlast für etwas Geduld. Der Endtermin bleibt gesetzt, deshalb lohnt es sich ohnehin, Code und Daten laufend zu prüfen und mit dem Aufräumen zu beginnen. So wird die Transition Monat für Monat leichter. Das Wartungsende ist ein Datum. Ob und wann Sie darauf reagieren, ist Ihre Entscheidung.