Ein Interim-Manager, der sich unentbehrlich macht, hat sein Mandat verfehlt. Der Auftrag ist nicht, die Lücke zu füllen. Der Auftrag ist, sich überflüssig zu machen.
Vorab eine ehrliche Einordnung, weil der Begriff zwei Dinge meint. Das eine ist die temporäre Übernahme einer Führungsposition, etwa um eine ungeliebte Transformation durchzuziehen. Diese Art reizt mich, mit ihr bin ich bisher nicht beauftragt worden. Das andere ist die auf Zeit angelegte Verantwortung für ein Programm, das man zum Erfolg führt. Diese Art mache ich mit jedem Mandat. Denn ein Kunde, der kein unangenehmes oder schwer handhabbares Thema hat, beauftragt keinen externen Programmleiter.
Von den „ersten hundert Tagen“ halte ich wenig. Die Zahl legt eine Schablone über einen sehr komplexen Prozess und wird ihm selten gerecht. Was zählt, ist etwas anderes: dass von Beginn an ein Ablaufdatum im Raum steht und die Entscheidungen verändert.
Ressource ist nicht gleich Ressource
Der Unterschied zu einer teuren Vakanzbesetzung liegt im Verhalten. Beide bringen Ressourcen, aber nur einer setzt sich nicht dauerhaft in der Organisation fest. Das wissen alle, und es hat zwei Seiten. Der Externe kann unbefangener analysieren, planen und umsetzen, weil er nicht um seine Position im Haus spielt. Dafür hat er das engere Netzwerk nicht, und schnell den Ruf des „Abwicklers“ weg. Beides gehört zur Rolle.
Der Ausstieg ist Teil des Mandats
Richtig verlässt man ein Mandat, indem man während der ganzen Laufzeit die künftigen Verantwortungsträger einbindet, so gut es geht. Oft folgt auf meine Position keine Vollbesetzung. Gäbe es eine, würde sie früh in Historie und Ist-Stand eingearbeitet. Entscheidungen sind dokumentiert und begründet, offene Punkte aufgeführt, Strategien klar und abgestimmt. Ist kein Nachfolger da, geht das Wissen strukturiert an Team und Stakeholder. Das Motto ist schlicht: besser haben als brauchen.
Der Test für ein Interim-Mandat steht am Anfang, nicht am Ende. Ist von Tag eins geklärt, an wen übergeben wird? Wo das offenbleibt, füllt der Interim eine Lücke, statt sie zu schließen.