Eine Roadmap ist ein Kompass, kein GPS.

Einen Elefanten zerlegt man, wenn man weiß, dass es ein Elefant ist. Bei komplexen Vorhaben ist die Zerlegung vor Arbeitsbeginn nicht die Lösung. Sie ist der erste Fehler.

„Zerlege den Elefanten in Scheiben“ ist der Standardrat für große Vorhaben. Er funktioniert, solange das Problem nur kompliziert ist. Kompliziertes löst man mit Expertise, Struktur und sauberer Analyse. Komplexes löst man anders: mit iterativem Vorgehen, Feedbackschleifen und Anpassung. In einer Transformation ist der Kern selten nur die technische Umsetzung. Es ist das soziale und organisatorische Zusammenspiel, und das ist meist komplex, nicht bloß kompliziert.

Warum der Plan erst später kommt

Wenn ich ein Programm übernehme, ist der erste Schritt Informationssammlung, während die Erwartung oft schon Ergebnisse sind. Ich befrage Externe und interviewe Interne: Wie ist die Lage, was ist bisher passiert, was wird wirklich gebraucht, was wurde versprochen, woran ist es gescheitert. Historie, Gegenwart, Planung. Das braucht Zeit, und bis diese Phase abgeschlossen ist, geht es nur sehr grob. Ganz ohne Schätzung kommt man selten davon, aber dann sind es Erfahrungswerte mit breitem Korridor, keine Scheingenauigkeit.

In einem europaweiten Compliance-Programm haben wir beide Seiten getrennt behandelt. Die komplizierte Seite bekamen wir mit einem Vorprojekt in den Griff: internes Assessment, was brauchen wir und was können wir, dazu externe Beratung, wie genau die Anforderung aussieht, darauf dann die Planung. Die komplexe Seite ließ sich nur in der Praxis entwirren. Wie streng gehen die Landesbehörden wirklich vor, was zeigen unsere ersten eigenen Erfahrungen, sollten wir zurück- oder weiter aufbauen. Das steht in keinem Plan, das lernt man im Tun.

Wann ein Detailplan schadet

Ein detaillierter Plan wird aktiv schädlich, wenn er Scheingenauigkeit verspricht, wo eine ehrliche Antwort nötig gewesen wäre. Er vermittelt dem Entscheider eine Sicherheit, die es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geben kann. Die Ausnahme sind hundertfach geprobte Templates, bei denen man es wirklich weiß. Bei einem vierwöchigen Projekt ist eine stundengenaue Planung auch in Ordnung. Bei einer mehrjährigen Initiative gehört ins letzte Jahr nur ein grober Meilenstein. Wer dort Stundenpläne liefert, verkauft aus Unsicherheit eine Genauigkeit, die die erste reale Projekterfahrung nicht überlebt.

Fragen Sie bei jedem Detailplan: Weiß hier jemand wirklich, oder verkauft die Genauigkeit nur Sicherheit? Eine Roadmap für ein mehrjähriges Vorhaben ist ein Kompass. Sie ist kein GPS.