Vor Jahren habe ich Projektleitern erklärt, wie sie ihren Vorstand handhaben. Heute schreibe ich für den Vorstand. Denn die meisten bekommen genau das Programm, das sie einfordern. Nicht mehr.
Die übliche Ratgeberliteratur dreht die Sache um: Sie erklärt dem Programmleiter, wie er seinen Sponsor einfängt, informiert, bei Laune hält. Das ist die Perspektive des Untergebenen. Ich will die andere. Ein Programm ist so gut wie die Fragen, die sein Sponsor stellt, und die meisten Sponsoren stellen die falschen. Oder gar keine.
Der beste Sponsor, den ich hatte, saß auf einer der obersten Ebenen und führte trotzdem dienend. Seine Tür war nicht symbolisch offen, sie war offen. Er nahm die kleinste Spezialistenebene ernst und gab Informationen von oben nach unten weiter, statt sie zu horten. Er holte Mitarbeiter aus der Tiefe der Organisation nach oben, damit sie ihre Themen selbst vor der Führung darstellten. So entsteht ein Kitt zwischen ganz unten und ganz oben, der stärker bindet als jede Gehaltsrunde. Und nebenbei kommt an, was oben sonst nie ankommt: was im Maschinenraum wirklich los ist.
Der andere Fall
Das Gegenteil habe ich auch erlebt. Viele Führungskräfte auf dieser Ebene haben Angst, vor Exponierung, vor Konkurrenz. Aus dieser Angst wird abgeschottet und blockiert, was nicht unbedingt durch muss. Die Folge: Die Linie hört von oben nur praxisferne Forderungen, und oben kommen von unten nur die Eskalationen an, die man nicht rechtzeitig ersticken konnte.
In einem meiner Programme saß ein cholerisches Mitglied im Steuerkreis, das mit einer Mischung aus Schmeichelei und Geschrei seine Umgebung unter Kontrolle halten wollte. Mikromanagement statt Strategie, Misstrauen statt Förderung. Es hätte mein bis dahin erfolgreichstes Mandat fast schon im ersten Halbjahr gekippt, allein durch dauerndes Reinregieren. Dass es nicht so kam, lag an dem guten Sponsor, der einschritt. Ein starker Sponsor rettet ein Programm, das ein schwacher im selben Gremium zerreden würde.
Die eine Frage
Und die eine Frage, die ein Vorstand seinem Programmleiter stellen sollte und zu selten stellt? Sie ist unspektakulär: Was brauchst du von mir? Wie kann ich helfen? Wer sie ernst meint, bekommt ehrliche Antworten und damit ein Frühwarnsystem, das kein Statusbericht liefert.
Ein Programm ist so gut wie die Fragen seines Sponsors. Der Sponsor bekommt am Ende das Programm, das er einfordert, im Guten wie im Schlechten.