Ein Post Mortem, das niemandem wehtut, hat nichts obduziert.

Ein Post Mortem, das niemandem wehtut, hat nichts obduziert. Der Vorstand sollte nicht fragen, was schiefging, sondern, was das Team beim nächsten Mal anders unterschreibt.

In meiner ganzen Laufbahn hat noch kein Vorstand und kein Sponsor ein Post Mortem gesehen. Und das nur, weil keines angefordert wurde. Das ist fast paradox. Ob ein Programm gut geplant war und Scope, Zeit und Budget hielt, oder ob etwas dazwischenkam: Kein Sponsor auf der obersten Ebene fragt strukturiert nach, was wir besser machen könnten und wie das Wissen in Folgeprojekte und andere Teams wandert. Das ist ein Zeichen fehlender Reife der Organisation und eine Quelle vieler Ineffizienzen in den Projekten danach.

Was Post Mortems systematisch verschweigen

Ein Post Mortem, das nicht ernsthaft aufgesetzt wird, ergeht sich in kleinen Sünden und schweigt bei den großen Mankos. Eine kaputte Organisation, verkrustete Silos, toxische Stakeholder tauchen in einem Bericht ans Board nie auf. Der Nestbeschmutzer ist evolutionär gesehen der Kurzlebigste in einer Organisation. Deshalb braucht es gerade hier einen aktiven Sponsor, der sich am Ende einmal dreißig Minuten Zeit nimmt und konkret nachfragt. Böse Einsichten schreibt zwar niemand auf. Aber die wenigsten lügen, wenn ein Vorstand sie unter vier Augen fragt.

Gelernt oder nur Haken gesetzt

Ob ein Team wirklich gelernt hat, erkennt ein Vorstand daran, wie es sich anfühlt. Wenn es zu glatt ist und zu gefällig. Wenn kritische Fragen an eine Gruppe mit einem Seitenblick auf den Hauptredner beantwortet werden. Wenn das Gespräch, und es sollte eines geben, nicht offen wirkt und die Frage „darf ich offen sein?“ gar nicht erst gestellt wird. Dazu muss der Vorstand seine Rolle verstehen. Er kann nicht in tausend Projekten der bessere Spezialist sein. Aber er muss darauf bestehen, von denen ehrlich informiert zu werden, die tiefer drinstecken. Sonst ist jede Steuerung Bauchgefühl, und die Organisation läuft wieder und wieder teuer in dieselben Fallen.

Wenn Sie als Vorstand wissen wollen, ob ein Team wirklich gelernt hat, nehmen Sie sich am Ende dreißig Minuten und fragen Sie unter vier Augen. Aufgeschrieben wird die unbequeme Wahrheit nie. Ausgesprochen wird sie fast immer.