Der Betriebsrat ist ein Entwurfsproblem.

Wer den Betriebsrat erst am Ende einplant, verhandelt. Wer ihn in den Entwurf holt, gestaltet. Das ist der ganze Unterschied.

Eines vorweg, weil es oft missverstanden wird: Betriebsratsverhandlungen führt der Externe zu Recht nicht. Er spricht nie für die Mitarbeiter, und betriebsverfassungsrechtlich auch nicht für den Arbeitgeber. Was er zuliefern kann, ist die kritische Komponente: Erfahrung, Sachverstand und Verhandlungstaktik.

Der Betriebsrat ist ein wichtiges Gremium mit einem eingebauten Handicap. Er entscheidet über hundert Themen im Jahr, in denen er unmöglich überall in der Tiefe stecken kann. Deshalb muss die ganze Argumentation weg von prozessualen Vorteilen, Effizienz und der Schönheit der technischen Lösung, hin zu einer einzigen Frage: Was hat der Mitarbeiter davon?

Was hat der Mitarbeiter davon

Bei der Entsende-Compliance ist die Antwort einfacher, als man denkt. Der Sinn der Regelung ist, Arbeitnehmerrechte zu stärken, im Gastland wie für die Entsandten selbst. Bei einem Reisekostenprogramm ist es ebenso konkret: weniger Stress, transparente Angebote, weniger Aufwand bei der Buchung, klar strukturierte Abrechnung, das Geld schneller zurück auf dem Konto. Wer das durchdringt, und in Deutschland die Unterlagen auch auf Deutsch dabei hat, ist schon fast durch. Denn jeder Change sollte für jemanden gut sein. Und wenn es dem Unternehmen und dem Kunden gut geht, geht es meistens auch dem Mitarbeiter gut.

Konzern und lokal

Zum Konzerngremium gehe ich genau einmal, ganz am Anfang, so früh, dass es nicht unverschämt wirkt, aber mit genug Vorlauf, um das Thema für eine gute Argumentation durchdrungen zu haben. Von dort verteilt es sich in die lokalen Räte. Dort regt sich trotzdem noch Widerstand, und manches muss man mehrfach erklären. Auch hier gilt: sauber argumentieren, früh anfangen, freundlich bleiben, dann geht es ohne Konfrontation.

Der gefährlichste Denkfehler ist, den Betriebsrat als Gegner zu sehen. Das gilt für fast alle Stakeholder: Echte Gegner sind selten, die meisten sind mit frühem Einbinden und Offenheit gut abzuholen. Wer sich kurz vor Go-Live vom Betriebsrat überraschen lässt, hat vorher ein paar Ausfahrten übersehen. Holen Sie ihn in den Entwurf, nicht in die Schlussverhandlung.