Bauen wir KI selbst? Die falsche Frage.

„Bauen wir KI selbst?“ ist keine Technikfrage. Es ist dieselbe Build-Buy-Partner-Entscheidung wie immer, nur dass diesmal alle so tun, als hätte sie noch nie jemand gerechnet.

In den meisten Fällen ist die Antwort Buy, aber ein Buy mit Zwischenschicht. Wer keine wirklich guten Gründe hat, sollte einen inzwischen weitgehend standardisierten Dienst wie KI nicht selbst hosten, trainieren und aufbauen. Es ist zu zersplittert, zu teuer, zu aufwändig. Die produktive Initiallast will man barrierefrei von einem etablierten Anbieter, der es wirklich kann. Über eigenen Aufbau kann man nach einigen Jahren Nutzung nachdenken, wenn es handfeste Vorteile gibt, oder parallel als kleines Forschungsprojekt, falls am Markt etwas wegbricht.

Die Schicht gegen den Lock-in

Entscheidend ist eine Schicht, die den Anbieterwechsel ermöglicht, wenn es nötig wird. Wer sich in anbieterspezifische Konzerninfrastruktur einbaut, sperrt sich auf Jahre ein. Also alle Geschäftsmodelle und Optimierungsprojekte anbieter-agnostisch halten und die freie Auswahl zwischen mehreren Anbietern behalten. Hat einer ein Alleinstellungsmerkmal, das man unbedingt braucht, dann zumindest so weit entkoppeln wie möglich und parallel nach Alternativen schauen.

Der häufigste Vorstandsirrtum ist, KI für einen Forschungsgral zu halten, den es zu schützen gilt. Das ist sie nicht. KI wird verfügbar sein wie Serverschränke oder Elektromotoren, es gibt sie von vielen, die Feinheiten stecken im Detail. Wer nicht zufällig in der Automobilbranche ist, baut auch nicht seinen eigenen Motor für die Firmenwagen. In kritischen Branchen mag man von der gut gesicherten Public Cloud zum Betrieb ohne Anbieterzugriff wechseln. Aber wirklich selbst bauen lohnt selten.

Die eine ehrliche Zahl

Ehrlich wird die Entscheidung an einer Zahl: dem internen Aufwand. Server- und Trainingskosten kann Ihnen jeder nennen, und schon die hauen um. Aber den Bedarf an Fachpersonal realistisch zu schätzen, ist für einen Neueinsteiger schwer bis unmöglich, das Personal überhaupt zu finden erst recht, in einer Zeit absurder Ablösesummen für Spitzenexperten. Rechnen Sie diese Zahl, bevor Sie „selbst bauen“ sagen. Meistens beantwortet sie die Frage von allein.